Wie tschechisches Design heute aussieht

Tschechisches Design hat sich mit Widersprüchen schon immer wohlgefühlt, und keine Woche des Jahres zeigt das besser als DesignBlok. Vom 7. bis 11. Oktober 2026 kehrt das Festival zurück, mit mehr als 300 Ausstellern an vier Standorten. Dies ist die Auswahl von The Julius: die Ausstellungen, Designer und Objekte, die die Geschichte am klarsten erzählen.
Dieses Design ist präzise, aber selten feierlich; es respektiert das Handwerk und genießt zugleich jede Gelegenheit, es aufzumischen. Glas, Porzellan, Holz und Metall bringen jahrhundertealtes Wissen mit und werden dann zu etwas, das ihre ersten Hersteller nie vorhergesehen hätten.
DesignBlok ist der beste Moment, um diesem Gespräch zuzusehen. Die Ausgabe 2026 steht unter dem Motto Licht und verteilt sich auf den Messepalast (Veletržní palác), den Industriepalast auf dem Prager Messegelände, das Kunstgewerbemuseum und mehrere Orte auf der Prager Burg. Statt eine Messe abzuarbeiten, folgen Sie besser den Ideen, die ihre stärksten Präsentationen verbinden.
Beginnen Sie in dem Raum, in dem Václav Havel arbeitete
In der Reitschule der Prager Burg vereint „Design for Václav Havel“ Objekte und Interieurs, die während Havels Präsidentschaft und der Neugestaltung der Prager Burg nach 1989 entstanden. Herzstück ist das Präsidentenbüro von Bořek Šípek, das zum ersten Mal seit mehr als zwanzig Jahren wieder auf der Burg zu sehen ist.
Šípek gab der neuen Präsidentschaft eine Bildsprache, die mit bürokratischer Neutralität nichts gemein hatte. Seine Möbel und Objekte waren ausdrucksstark, bisweilen exzentrisch und unverkennbar menschlich: ein passender Rahmen für einen Dramatiker, der Staatsoberhaupt wurde. Zusammen betrachtet, sind sie ein leises Plädoyer dafür, dass öffentliches Design Werte vermitteln kann, bevor jemand ein Wort sagt.
Die Ausstellung läuft über DesignBlok hinaus und öffnet vom 21. Oktober 2026 bis 17. Januar 2027 erneut bei freiem Eintritt. Wenn Sie sich dafür interessieren, wo sich tschechisches Design, Politik und nationale Identität begegnen, ist dies die wichtigste Station.
Das Vertraute richtig sehen
Im Kunstgewerbemuseum widmet sich „Retro Lamps: Forgotten Stories of Czechoslovak Design“ der seriell gefertigten Beleuchtung der 1950er- bis 1980er-Jahre. Das waren nie seltene Objekte hinter Glas. Sie standen auf Schreibtischen und neben Betten, hingen über Esstischen, und gerade ihre Vertrautheit machte ihre Designer nahezu unsichtbar.
Die Ausstellung gibt den Objekten ihre Namen zurück: Helena Frantová, Josef Hůrka, Stanislav Indra und Štěpán Tabery. Eine kluge Antwort auf das Festivalmotto, denn Licht erscheint hier als häusliche Erinnerung statt als Spektakel. Der Lichtkegel einer Leselampe. Die Gestalt eines gewöhnlichen Abends zu Hause.
Sie ist bis zum 17. November geöffnet und damit eines der besten DesignBlok-Erlebnisse, falls Sie erst nach dem eigentlichen Festival anreisen.
Wie Maxim Velčovský den Maßstab wechselt
Maxim Velčovský hat einen Großteil seiner Karriere damit verbracht, tschechisches Porzellan aus der Reihe tanzen zu lassen. Vertraute Formen werden zum Kommentar: eine klassische Büste, ein Einwegbecher, ein Objekt aus Folklore oder Alltag. Seine Arbeiten sind unverwechselbar, weil der Witz nie bloß dekorativ ist – meist verrät er etwas über Konsum, Erinnerung oder nationale Gewohnheiten.
Für DesignBlok 2026 bespielt seine Ausstellung „Veranda“ den Messepalast. An anderer Stelle des Festivals stellt Křehký Collectibles seine neuen Pure Cups in drei Größen vor, neben Stanley Wongs Literary Vase und Arbeiten von Viktor Tabiš, Johana Hnízdilová, Tereza Orviská und Artyom Nurvan. Zusammen zeigen sie zwei Seiten des Sammlerdesigns: den etablierten Autor, der noch immer eine Idee auf die Probe stellt, und jüngere Gestalterinnen und Gestalter, die mühelos zwischen Gebrauchsobjekt und kleinem Kunstwerk wechseln.
Treten Sie ein in Eva Eislers Stille
Eva Eislers „Circle of Silence“ ist in der entweihten Heilig-Kreuz-Kapelle auf der Prager Burg installiert. Sieben Flusssteine, ein Kreis, Licht, Klang und bewegtes Wasser fügen sich zu einer Arbeit über Zeit, Erinnerung und natürliche Ordnung.
Eisler bewegt sich mit ungewöhnlicher Zurückhaltung zwischen Schmuck, Architektur und Installation. Ihre Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art und des Brooklyn Museum in New York sowie der Pinakothek der Moderne in München. 2026 wurde sie in die Hall of Fame des Czech Grand Design aufgenommen.
Die Kapelle setzt ihrer Sprache aus Proportion und Material genau den richtigen Widerstand entgegen. Das ist keine Präsentation, die man auf dem Weg zur nächsten überfliegt. Bleiben Sie eine Weile.
Genau hinsehen: was noch von Hand entsteht
„High Craft“, präsentiert mit Vogue CS in der Reitschule der Prager Burg, versammelt tschechische Designer und Manufakturen, die traditionelles Handwerk mit zeitgenössischer Produktion verbinden. Hier wird der Begriff „tschechisches Handwerk“ konkret: die Qualität einer Verbindung, das Gewicht von Glas, die Oberfläche von Metall, die sichtbare Zeit, die in Handarbeit steckt.
Die angrenzende Präsentation von Křehký lohnt sich aus einem verwandten Grund. Křehký behandelt Objekte seit Langem als Träger von Geschichten statt als Accessoires, die nach Trends arrangiert werden. Der Collectors’ Edit 2026 ist ein guter Einstieg, wenn Sie verstehen möchten, was ein Stück sammelwürdig macht, bevor Sie entscheiden, ob Sie eines mit nach Hause nehmen.
Ein junger Name, den Sie sich merken sollten
Unter den jüngeren Ausstellern nutzt Rozálie Vlachová in ihrer Kollektion Lichen Porzellan, um das stille Beharren organischen Wachstums zu beobachten. Die Kollektion gehört zu einer Generation tschechischer Arbeiten, die die Materialtraditionen des Landes lockern, statt sie abzulehnen, und Unregelmäßigkeit, Forschung und ökologische Aufmerksamkeit das Objekt formen lassen.
Die Nachwuchsdesigner von DesignBlok und die Diploma Selection verdienen Ihre Zeit gerade deshalb, weil sie noch keine feste Handschrift gefunden haben. Die Arbeiten mögen weniger ausgereift sein. Dafür zeigt sich hier die nächste Richtung zuerst.
Jenseits des Festivals
DesignBlok dauert fünf Publikumstage. Tschechisches Design nicht. Qubus in der Rámová bleibt die pointierteste Einführung in den Witz zeitgenössischen tschechischen Glases und Porzellans, während das Haus zur Schwarzen Muttergottes die heutige Arbeit in die längere Geschichte des tschechischen Kubismus einordnet. DOX by Qubus in Holešovice ist stark bei zeitgenössischem Schmuck und Sammlerobjekten. Beim Licht zeigen Lasvit, Bomma und Brokis, wie böhmische Glasmacherkunst vom Gefäß in ambitionierte internationale Interieurs gewandert ist.
Die sinnvolle Frage ist nicht, was Sie kaufen sollten, sondern worauf Sie achten: wo das Material Widerstand leistet, wo die Hand des Gestalters eine Spur hinterlässt und wo eine alte tschechische Technik dazu gebracht wurde, etwas Neues zu sagen.
DesignBlok ist vom 7. bis 11. Oktober 2026 für das Publikum geöffnet, das Fachprogramm beginnt bereits am 6. Oktober. Mehrere Ausstellungen laufen deutlich länger, bis in den November und darüber hinaus – ein Aufenthalt später im Herbst verpasst also weniger, als man denkt. Bitten Sie unser Team an der Rezeption, die Stationen nach Ihren Interessen zu planen. The Julius Prague ist ein ruhiger Ausgangspunkt dazwischen – und ein durchdachtes Beispiel dafür, wie sich Design anfühlt, wenn man darin leben soll.